Eingebettet in die majestätische Kulisse des steirischen Ennstals, vor der imposanten Bergwelt des Grimming, präsentierte sich Schloss Pichlarn als Gastgeber mit jener selbstverständlichen Noblesse, die man nicht inszenieren kann — man besitzt sie oder eben nicht. Das traditionsreiche Haus vereint historische Eleganz mit modernem Luxus, ohne jemals bemüht zu wirken. Genau die richtige Bühne also für ein Wochenende, das ganz im Zeichen des Genusses, der Freundschaft und der gepflegten Tafelkultur stand.
Denn ein Dîner Amical ist bekanntlich weit mehr als ein Abendessen. Es ist ein gesellschaftliches Versprechen: gute Gespräche, exzellente Gesellschaft, feine Küche — und die durchaus ehrenwerte Bereitschaft, sämtliche guten Vorsätze bezüglich Zurückhaltung zumindest für zwei Tage höflich beiseitezuschieben.
Mit dem Premier Dîner Amical in der Geiger Alm in Altaussee fand das Wochenende einen genussvoll gesetzten Auftakt, wie man ihn sich für die Chaîne des Rôtisseurs kaum stimmiger wünschen könnte. Doch es war nicht einfach nur ein Abendessen. Die erste Veranstaltung eines besonderen Chaîne-Wochenendes trägt immer eine gewisse symbolische Bedeutung: Sie setzt den Ton, weckt Erwartungen und schafft Gemeinschaft. Dass dies in der Geiger Alm so charmant und mühelos gelang, spricht für das Haus ebenso wie für seine Gastgeber.
Denn das vielfach ausgezeichnete Restaurant – wie beispielsweise ein Stern vom Guide Michelin und vier Hauben von Gault & Millau – hat sich längst einen Namen als kulinarischer Fixpunkt im Ausseerland gemacht und steht für eine Küche, die alpine Authentizität mit modernem Feinsinn verbindet. Mit viel Leidenschaft geführt wird das Haus vom charmanten Betreiberpaar Maître Rôtisseur Dominik und Eva Utassy. Seit knapp zwei Jahren gehört das Haus zur Chaîne-Familie, das man durchaus beschreiben kann als Refugium mit Stil, Wärme und jener entspannten Eleganz, die sich nicht beweisen muss.
Bereits der Auftakt mit Champagner Ruinart Brut ließ keinen Zweifel daran, dass dieser Abend nicht in kleinen Noten komponiert werden würde. Der darauffolgende Reigen zeigte eine Küche, die Regionalität nicht als Pflichtübung versteht, sondern als kreative Spielwiese. Dies bewies bereits das Fingerfood wie Kaninchen im Linsenmantel oder steirischer Schinken.
Das Kalb aus Niederösterreich als Amuse Bouche – mit Kopfsalat, Radieschen, Kren und Kapern – war ein pointierter Einstieg: präzise, frisch, mit feiner Schärfe und genau dem richtigen Maß an Understatement.
Die Goldforelle mit weißem Spargel, Erdbeere, Sauerampfer und Mandel zeigte Mut zur Leichtigkeit und zum Spiel mit Kontrasten.
Der Wildfang-Seeteufel präsentierte sich als der wohl ausdrucksstärkste Gang des Abends: begleitet von Gänseleber, Fregola Sarda, Spinat und Champignons entstand ein Gericht von bemerkenswerter Tiefe und feiner Opulenz. Hier traf maritime Eleganz auf erdige Wärme, Leichtigkeit auf luxuriöse Fülle – eine Komposition mit großer Balance und jener Selbstverständlichkeit, mit der nur wirklich souveräne Küchen Gegensätze harmonisch vereinen.
Das Grundlseer Lamm mit grünem Spargel, Morchel und Passionsfrucht bewies schließlich, dass kreative
Küche dann am stärksten ist, wenn sie Überraschung und Harmonie zugleich schafft. Regional verankert, aber mit weltläufigem Blick über den Tellerrand.
Und wer dachte, nach so viel Raffinesse würde das Dessert nur noch höflich verabschieden, wurde eines Besseren belehrt: Das Rhabarber-Tiramisu mit Joghurteis, Macadamianuss, Aperol und Melisse war verspielt, frisch und herrlich unkonventionell – quasi der charmante Gesprächspartner, der am Ende einer Gesellschaft noch einmal alle begeistert.
Aber auch danach wurden wir noch mit süßen Kleinigkeiten überrascht: sei es die gesalzene Chili-Praline, die Nougatcreme mit Haselnuss oder ein Mandelküchlein mit Vanillecreme – es war für jeden die perfekte Draufgabe dabei.
Auch die Weinbegleitung war mit Bedacht gewählt: vom Grünen Veltliner aus Krems über steirische Akzente mit Welschriesling und Chardonnay bis hin zum charakterstarken Château Musar aus dem Libanon – eine Auswahl mit Persönlichkeit, die nie nur Begleitung, sondern Dialogpartner der Küche war. Der abschließende Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese setzte den süßen Schlusspunkt mit klassischer Eleganz.
Besondere Anerkennung verdient die Organisation des Restaurants. Denn was an diesem Abend beinahe wie die Arbeit einer deutlich größeren Mannschaft wirkte, wurde tatsächlich von nur drei Mitarbeitenden getragen. Aufmerksamkeit, Präzision, Herzlichkeit und bemerkenswerte Ruhe – eine Leistung, die höchsten Respekt verdient. Gläser blieben nie leer, Fragen nie unbeantwortet, Wünsche nie lange Wünsche.
Ein besonders schöner Schlusspunkt des offiziellen Teils war die Danksagung von Bailli Provincial Commandeur Georg Imlauer, der in herzlichen Worten die außergewöhnliche Leistung des Gastgeber-Ehepaars Utassy würdigte. Mit spürbarer Anerkennung hob er deren Leidenschaft, Gastfreundschaft und die beeindruckende Qualität dieses Premierenabends hervor – eine Veranstaltung, die in jeder Hinsicht Maßstäbe setzte. Dass in den anschließenden Gesprächen bereits erste charmante Ideen für eine Wiederholung im kommenden Jahr die Runde machten, darf wohl als schönstes Kompliment verstanden werden. Manche Premieren sind eben nicht nur gelungen – sie wecken ganz selbstverständlich den Wunsch nach einer Fortsetzung.
Das Premier Dîner Amical in der Geiger Alm war damit weit mehr als ein gelungener Abend. Es war ein Auftakt mit Seele, Stil und kulinarischer Substanz.
Und wie es sich für ein gelungenes Chaîne-Wochenende gehört, war nach dem Dessert noch lange nicht Schluss: Beim stilvollen Ausklang an der Bar von Schloss Pichlarn wurde weiter angestoßen, gelacht und über die Höhepunkte des Abends sinniert. Zwischen Digestif, guten Gesprächen und jener besonderen heiteren Stimmung, die nur genussvolle Abende hervorbringen, fand ein Auftakt seinen perfekten Nachklang – elegant, entspannt und mit schöner Vorfreude auf alles, was dieses Wochenende noch bereithalten sollte.
Nachdem der erste Abend bereits mit herzlicher Geselligkeit, genussvollen Momenten und der freudigen Einstimmung auf das gemeinsame Wochenende überzeugt hatte, eröffnete der folgende Tag die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen dieses besonderen Hauses zu werfen. Im Rahmeneiner persönlichen Führung durch Hausherr Bailli Provincial Commandeur Georg Imlauer wurde rasch spürbar, mit wie viel Leidenschaft und Vision Schloss Pichlarn weiterentwickelt wird. Mit berechtigtem Stolz zeigte er die jüngsten Neuerungen — insbesondere den modernisierten Poolbereich, der schon jetzt zum Verweilen einlädt, ebenso wie den neu entstehenden Wellnessbereich, der sich derzeit noch im Rohbau befindet, dessen künftige Großzügigkeit jedoch bereits eindrucksvoll erkennbar ist. Ergänzt wurde die Führung durch spannende Einblicke in weitere Besonderheiten des Hauses, die den hohen Anspruch an Gastlichkeit, Komfort und zeitgemäßen Luxus auf charmante Weise unterstreichen.
Im Anschluss gestaltete sich der Tag nach individuellem Geschmack — ganz im Sinne eines gelungenen Genusswochenendes. Während einige entspannte Stunden im Spa-Bereich genossen, zog es andere auf den gepflegten Golfplatz des Hauses, eingebettet in die eindrucksvolle Landschaft des Ennstals. Wieder andere nutzten die Gelegenheit für kleine Ausflüge in die reizvolle Umgebung, um die Schönheit der Region zu erkunden.
Am Abend jedoch führte die gemeinsame Vorfreude alle wieder stilvoll zusammen, als das Gala Dîner als glanzvoller Höhepunkt des Wochenendes seine Türen öffnete.
Nach einem entspannten Aperitif mit Schilchersekt und anderen lukullischen Köstlichkeiten gelang der Auftakt mit europäischem Hummer, begleitet von einer Kaviar-Mousseline, Brennnesselspinat und Trüffel-Hollandaise — ein Einstieg, der erfreulich klar signalisierte, dass Bescheidenheit an diesem Abend nicht Teil des Menükonzepts war. Dazu ein Sauvignon Blanc 2018 Ried Edelschuh Große STK Lage von Wohlmuth aus der Magnum. Dieser kraftvolle Auftakt mit jener steirischen Noblesse, die dem Hummer kongenial zur Seite stand, wurde präsentiert von Diplom-Sommelier Philipp Adamek, welcher den gesamten Abend mit Wissen und Humor die Weine erläuterte.
Es folgte eine französische Zwiebel-Consommé, raffiniert interpretiert mit Taube Royal, Croûtons vom St. Maure de Touraine und Holunder. Der Grüner Veltliner 2018 „Bergdistel“ Smaragd vom Tegernseerhof brachte dazu Finesse, Würze und elegante Struktur. Mit dem in Trüffelbutter gebratenen bretonischen Steinbutt, begleitet von Ennstaler Lardo-Speck, Wildkräutern und Fingerzitrone, erreichte das Menü eine wunderbar balancierte maritime Opulenz. Der gereifte Neuburger 2010 aus der Magnum vom Nikolaihof war hier ein besonders charmanter Partner.
Mit dem Hauptgang erreichte das Menü eine wunderbar selbstbewusste kulinarische Ausdruckskraft: Kalbsmedaillon, Bries und Gänseleber, harmonisch ergänzt durch cremigen Perlcouscous, Spargel, Herzkirschen und eine elegante Morchelsauce. Ein Gericht von souveräner Großzügigkeit, reich an Finesse und Charakter. Der Château Mazeyres 2017 aus Pomerol erwies sich dazu als idealer Begleiter — mit bemerkenswerter Tiefe, präziser Struktur und jener unaufgeregten französischen Noblesse, die keiner weiteren Erklärung bedarf.
Zum Finale schließlich ein Zitronen-Baiser-Tartelette mit weißer Valrhona-Schokolade und Himbeere — leicht, elegant und genau jener süße Schlusspunkt, der einen Abend würdig verabschiedet. Der Riesling 2010 von Bernhard Ott setzte dazu ein brillantes Ausrufezeichen: gereift, lebendig und mit wunderbarer Spannung.
Bevor dieses genussreiche Wochenende in bester Erinnerung seinen Ausklang fand, war es Bailli Provincial Cpmmandeur Georg Imlauer ein besonderes Anliegen, seinen aufrichtigen Dank an das gesamte Team von Schloss Pichlarn auszusprechen. Unter der umsichtigen Leitung von Maître Hôtelier Ines Wohlmuther-Maier wurde mit beeindruckender Professionalität, herzlicher Gastlichkeit und bemerkenswerter Liebe zum Detail ein Rahmen geschaffen, der diesem besonderen Anlass in jeder Hinsicht gerecht wurde. Vom exzellenten Service über die makellose Organisation bis hin zu jenem feinen Gespür, Gästen Wünsche beinahe zu erfüllen, noch bevor diese selbst davon wussten — hier war Gastlichkeit nicht nur Beruf, sondern sichtbar gelebte Leidenschaft. Oder, um es im Sinne eines gelungenen Genusswochenendes zu sagen: Wenn selbst anspruchsvolle Gourmets nichts zu beanstanden finden außer der bedauerlichen Tatsache, dass ein solches Wochenende irgendwann zu Ende geht, dann wurde ganz offensichtlich vieles sehr richtig gemacht.
Mag.a Sabine Dorfer
Chargée de Presse Provinciale
08.05.26 Geiger Alm