Wenn der Josefilunch ruft, ist eines gewiss: Ein Déjeuner Amical voller Genuss, guter Gesellschaft und gepflegter Tradition steht bevor. Rund um den Josefstag – vor Jahrzehnten von Hasi Unterberger ins Leben gerufen – hat sich dieses Treffen längst zu einer liebgewonnenen Konstante im Kalender der Bailliage du Tyrol entwickelt. Man trifft sich, tauscht Neuigkeiten aus, lacht, genießt – und stellt dabei jedes Jahr aufs Neue fest, dass der Frühling kulinarisch kaum schöner beginnen könnte.
Der Bichlhof in Kitzbühel bot dafür einmal mehr den perfekten Rahmen. Hoch über der Gamsstadt gelegen, vereint das Haus alpine Eleganz mit herzlicher Gastlichkeit. Die lichtdurchfluteten Räume öffnen den Blick auf die noch schneebedeckten Gipfel der Kitzbüheler Alpen und schaffen eine Atmosphäre, die zugleich ruhig, stilvoll und inspirierend wirkt – ein Ort, an dem sich Natur und Kulinarik auf höchstem Niveau begegnen.
Bailli Provincial Honoraire, Commandeur, Walter Hopfner, begrüßte die aus den verschiedensten Bailliagen zahlreich angereisten Gäste mit gewohnt charmanter Souveränität und stimmte mit einem kurzen Blick auf die lange Tradition des Josefilunch in der Bailliage du Tyrol auf den gemeinsamen Genussnachmittag ein. Für die passende vinophile Begleitung sorgte einmal mehr Conseiller Gastronomique Provincial, Grand Commandeur, KR Peter Morandell, der die ausgewählten Weine in seiner bekannten, kurzweiligen Art präsentierte – präzise, unterhaltsam und stets mit einem Augenzwinkern, das die Freude am Genuss noch einmal unterstrich.
Küchenchef Karl Aichholzer und sein Team präsentierten im Anschluss ein Menü, das durch Kreativität, Leichtigkeit und präzise Handwerkskunst überzeugte. Bereits zum Auftakt traf die gratinierte Auster, begleitet von Spargelcremesuppe und geräucherter Entenbrust, auf den Bichlhof Hauschampagner - Perrier-Jouët – frisch, lebendig und ein prickelnder Start, der sofort Lust auf mehr machte.
Die gebeizte Forelle und Lachsforelle aus dem hauseigenen Teich, kombiniert mit Radieschen und Senfsaat, war nicht nur für den Gaumen, sondern auch für das Auge ein wahrer Genuss und wurde von einem charaktervollen Weißburgunder „Alte Reben“ 2023 vom Weingut Ebner-Ebenauer, Weinviertel, begleitet – elegant, mineralisch und wie gemacht für die feinen, regionalen Aromen dieses Gangs.
Bei der Kalbsleber wurde es dann besonders spannend und zugleich bemerkenswert: Ein Gang, der bei der Chaîne eher selten zu finden ist und daher umso mehr Aufmerksamkeit verdient. Erdäpfelpüree, Zwiebel und Apfel sorgten für ein vielschichtiges Spiel aus Süße, Säure und Würze. Umso beeindruckender war es, dass die Küche diesen anspruchsvollen Gang für alle Gäste perfekt auf den Punkt servierte – ein klares Zeichen großen handwerklichen Könnens und präziser Abstimmung. Der „Whispering Angel“ Rosé 2024, Château d’Esclans, Provence, brachte dazu mit seiner feinen Beerenfrucht, zarten Kräuternoten und lebendigen Frische eine überraschend leichte und zugleich stimmige Begleitung ins Glas – ein charmanter Kontrapunkt zur intensiven Aromatik.
Nach dem erfrischenden Holunderblüten-Sorbet durfte das rosa gebratene Rinderfilet glänzen – begleitet von Pilzcreme, knuspriger Jakobsmuschel im Tempura und Grünkohl – eine innovative Kombination. Hier setzte der Pinot Noir 2022 von Bründlmayer, Langenlois, einen eleganten Akzent, der das Gericht gekonnt abrundete.
Den süßen Schlusspunkt bildete die Rhabarbertarte mit Vanille und Erdbeermousse, die vom feinperligen Brut Rosé von Bründlmayer beschwingt begleitet wurde.
Mit einer stimmungsvollen Laudatio fand der Nachmittag einen würdigen Abschluss. In wertschätzenden Worten wurde die Kreativität der Küche ebenso hervorgehoben wie das beeindruckende Können und die spürbare Leidenschaft des gesamten Teams, das diesen Josefilunch zu einem besonderen Erlebnis machte. Im Anschluss wurden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern feierlich die Urkunden überreicht; der traditionelle Chaîne des Rôtisseurs Teller und ein frühlingshafter Blumengruß erging an die beiden Gastgeberinnen Julia Hopfner und Professionnel de la Table Lisa Linzmaier als sichtbares Zeichen der Anerkennung – eine charmante Geste, die den gelungenen Nachmittag auf ebenso herzliche wie stilvolle Weise abrundete.
So wurde der Josefilunch im Bichlhof einmal mehr zu einem eindrucksvollen Beispiel dafür, wie Tradition und Innovation, Freundschaft und Genuss in vollendeter Weise zusammenfinden. Ein Déjeuner Amical, das in Erinnerung bleibt – und die Vorfreude auf kommende Begegnungen bereits in sich trägt.
Mag.a Sabine Dorfer