Zum mittlerweile 47. Mal durfte das traditionsreiche Haus Obauer in Werfen den Rahmen für ein Déjeuner Amical der besonderen Art bilden – ein Ort, der wie kaum ein anderer für Kontinuität, Perfektion und gelebte österreichische Gastlichkeit steht. Schon beim Aperitif wurde deutlich, dass dieser Tag nicht nur ein weiterer Termin im Kalender war, sondern ein Fest für alle Sinne.
Die einleitenden Köstlichkeiten – vom karamellisierten Kuhfrischkäse über zart abgestimmte Presskopfsulze bis hin zu den bewährten Hirsch- und Lammwürsten – zeigten bereits die Handschrift der Küche: präzise, kreativ und tief in der Region verwurzelt. Begleitet von einem klassischen Bellini eröffnete sich ein kulinarischer Spannungsbogen, der sich durch den gesamten Mittag ziehen sollte. Beim Aperitif im Garten des Hauses herrschte dazu jene besondere Stimmung, die man nicht arrangieren kann: heiter, gelöst und von echter Vorfreude getragen. Zwischen Frühlingssonne, Aperitifglas und kleinen Köstlichkeiten entstanden sofort jene amicalen Gespräche, für die diese Zusammenkünfte so geschätzt werden – mal fachkundig über Weinlagen und Garzeiten, mal herzlich über das Leben im Allgemeinen. Man tauschte Neuigkeiten aus, lachte viel und stellte einmal mehr fest, dass gute Gesellschaft oft die schönste Vorspeise ist.
Eröffnet wurde der Mittag von den beiden Hausherren Grand Officier Maître Rôtisseur Karl und Rudi Obauer, die ihre Gäste herzlich willkommen hießen. Während Grand Officier Maître Rôtisseur Karl Obauer gewohnt souverän durch das Programm führte, stellte Rudi Obauer mit Charme und spürbarer Freude das Menü vor. Seine lebendige Beschreibung der Produkte und Gerichte machte sofort Lust auf das Kommende – der Appetit war damit jedenfalls geweckt.
Die Vorspeise – gebeizter Rehschlegel und Pastete von der Gänseleber, begleitet von Gewürzhonig und Bachkresse – verband kraftvolle Aromen mit eleganter Leichtigkeit. Dazu ein Grüner Veltliner „Alte Reben“ 2022 vom Weingut Wess aus dem Kremstal, dessen Herkunft aus einer der renommiertesten Weißweinregionen Österreichs sich in feiner Würze, Mineralität und Struktur widerspiegelte.
Der gedämpfte Saibling, kombiniert mit Kohlrabi und steirischer Garnele, zeigte sich als fein komponiertes Gericht von bemerkenswerter Klarheit. Der Fisch überzeugte mit zarter Textur und präziser Garung, während der Kohlrabi Frische und feine Knackigkeit einbrachte. Die steirische Garnele ergänzte die Komposition mit dezentem Eigenaroma und schöner Struktur. Ein harmonisches Gericht, das durch Balance, Leichtigkeit und Produktqualität beeindruckte. Dazu wurde ein Pinot Blanc Obauer Bergwein 2021 von Prieler, Leithaberg, gereicht – elegant, präzise und ein stimmiger Begleiter.
Ein Höhepunkt folgte mit dem Rücken vom schwarzen Alpenschwein, begleitet von Morcheln, Ricottatascherl und Zitronenschalotten – ein Gericht, das rustikale Elemente in eine nahezu filigrane Komposition verwandelte. Der dazu servierte „Mon Coeur“ 2022 aus der Selektion von J.L. Chave aus dem Rhône-Tal brachte die Sonne Südfrankreichs ins Glas: kraftvoll, würzig und zugleich harmonisch.
Den krönenden Abschluss im herzhaften Bereich bildeten geschmorte Schulter und Kotelett vom Salzburger Jungrind, kombiniert mit Schrobenhausener Spargel, Sauce Hollandaise und Brennnesselpulver. Hier verschmolzen Regionalität und saisonale Perfektion zu einem Gericht von beeindruckender Klarheit. Begleitet wurde dieses von einem La Peralosa/Acebrón 2021, La Mancha, Spanien, – einer Region, die mit ihrer Weite und ihrem kontinentalen Klima kraftvolle, ausdrucksstarke Weine hervorbringt.
Den süßen Abschluss bildete ein stimmig komponiertes Dessert aus Champagner-Rhabarbercreme, Felchlin-Schokolade und Kakao-Minze-Sorbet. Die feine Säure des Rhabarbers setzte einen frischen Kontrapunkt zur cremigen Textur, während die edle Schokolade Tiefe und Eleganz einbrachte. Das Kakao-Minze-Sorbet sorgte mit kühler Frische für einen animierenden Ausklang. Begleitet wurde das Dessert von einem Riesling Kabinett Pittermännchen 2023 von Caroline Diel, Nahe, der mit feiner Frucht, lebendiger Spannung und eleganter Süße überzeugte.
Ein besonderer Moment des Nachmittags war die Laudatio von Bailli Provincial Commandeur Georg Imlauer, der in warmen und treffenden Worten die herausragenden Leistungen der Brüder Obauer würdigte. Er hob deren jahrzehntelange Konsequenz, ihren unermüdlichen Qualitätsanspruch sowie die große Bedeutung des Hauses Obauer für die österreichische Gastronomie hervor. Zugleich galt sein Dank dem gesamten Team, das mit Professionalität, Herzlichkeit und sichtbarer Hingabe maßgeblich zum Erfolg dieses besonderen Hauses beiträgt.
Dieses Déjeuner Amical war weit mehr als ein Menü – es war ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie sich Tradition und Innovation zu einer kulinarischen Erzählung verweben lassen. Das Haus Obauer bleibt ein Ort, an dem sich nicht nur Genuss, sondern auch Freundschaft, Austausch und die Liebe zum Detail auf höchstem Niveau begegnen.
Mag.a Sabine Dorfer
Chargée de Presse Provinciale